Wermelskirchener-General-Anzeiger, Artikel vom: 11.04.2005

Jokebox trifft voll ins Herz

Von Stefanie Söhnchen

Der neunköpfige Stamm setzte auf Kuschelfaktor, für das Publikum wurde es bei den beiden ausverkauften Auftritten (je 305 Sitzplätze) in der kleinen Halle der Katt am Wochenende gemütlich. An die Unplugged-Schiene von MTV angelehnt, stand auch bei Jokebox die Bühne mittendrin. Kerzen und gedämpftes Licht schafften eine heimelige Wohnzimmeratmosphäre.

Der einzige Nachteil daran ist, dass einige Zuschauer die Künstler nur von hinten sehen. Dieses Manko glichen die drei Hauptsänger Ralf Becker, Jeanne Altfeld und Andrea Wolter dadurch aus, dass sie sich während ihrer gefühlvollen Gesangseinlagen hin und wieder umdrehten.Dass die Musiker aufblühen, war vor allem in den Tanzeinlagen von Ralf Becker und Andrea Wolter zu sehen, die hierdurch zusätzlich den Text der schnelleren Stücke unterstrichen. Durch Andrea Wolters Ausstrahlung bei "I feel good" (James Brown) wurde das Stück zu einem Höhepunkt des Programms. Während Ralf Becker Tom Jones als "Sexbomb" nacheiferte, versuchte sich Jeanne Altfeld erfolgreich an Avril Lavignes "Here with you". Im Fast-Duett der Beatles zwischen ihr und Becker "She's leaving home" bewies sie, dass sie auch in höheren Tonlagen durchaus zuhause ist. Die Auswahl trifft die Band nach dem, "was gerade in aller Ohren ist". So durften auch im Repertoire von Jokebox die deutschen Newcomer Silbermond nicht fehlen. Als honigsüßer, wenn auch melancholischer Beitrag wurde von Jeanne Altfeld der Chartstürmer "Symphonie" zum Programm beigesteuert. "Das Besondere an den Unplugged-Konzerten ist, dass die Leute wirklich intensiv zuhören", stellte Andrea Wolter lobend fest. Es waren auch zwei Abende der Gastmusiker.

So wurden die neun Jokeboxler von sieben Streichern der Musikschule (Geige, Bratsche, Cello), Perkussion und einer Querflöte zusätzlich unterstützt. Dudelsack zu Rod Stewart Ob Dudelsackspieler Hans-Peter Peil Ralf Becker in Rod Stewarts "Rhythm of my heart" begleiten würde, war lange Zeit unsicher. Letztlich hat es geklappt - ohne vorherige Probe - und ein Hauch von den schottischen Highlands schwang im Refrain mit. Ein besonderer Gast war Steffi Steglich, die zwei Stücken ihre facettenreiche Stimme lieh. Bei "The man with the child in his eyes" (Kate Bush) stand die Leverkusenerin allein mit den Instrumenten auf der Bühne, die ihre Botschaft federleicht untermalten. Das Publikum war begeistert. Nicht nur, dass die Zuschauer jedes Lied mit tosendem Applaus belohnten. Sie forderten auch mit stehenden Ovationen eine Zugabe ein. Hier schaltete sich Dirk Mies (Gitarre, Gesang) zum zweiten Mal ein. Er hatte zuvor das weibliche Publikum mit Richard Marx` Ballade "Right here waiting" verzaubert und legte jetzt mit Robbie Williams "Angels" an Romantik noch einen Tacken zu. So dokumentierte Jokebox den Fans ein viertes Mal, dass sie nicht nur laut und rockig ihre Stärken besitzen, sondern auch mit ihrem Schmusekurs voll die Herz treffen.