Remscheider General-Anzeiger, Artikel vom 18.11.2011

JOKEBOX 20 Jahre und kein bisschen müde

Andreas Weber

Jokebox wird 20 Jahre. Das Motto ihres Jubiläumsabends trägt den Titel eines der Lieder, das sie hartnäckig durch ihre Laufbahn begleitet: "Verdammt lang her". Allein aus nostalgischen Gründen darf der Evergreen von BAP am 26. November in der Katt nicht fehlen. Er ist aber auch ein Zugeständnis an die treuen Fans, die den kölschen Gassenhauer wie Westernhagens "Sexy" nicht missen wollen.

Dabei besitzt Jokebox nach 800 Konzerten und 450 gespielten Titeln die Qual der Wahl. Die Band schöpft aus einem riesigen Repertoire, das jährlich im März begutachtet und erweitert wird. Mit 60 Songs gehen sie in die Saison, die 2011 17 Konzerte ausweist.

Jokebox spricht mittlerweile mehrere Generationen an. Staunen über junges Publikum beim Feuerwehrfest in Rade Beim Feuerwehrfest am Rader Hahnenberg Mitte August, neben dem Scheunenfest in der Remscheider Aue, dem Hückeswagener Altstadtfest und dem Jahresabschluss in Wermelskirchen einer der Fixtermine in ihrem Tourplan, versetzte das überwiegend junge Publikum die acht Musiker ins Staunen.

"Da waren viele, die nicht oder gerade erst geboren waren, als wir 1991 begonnen haben. Menschen, die nicht mit 'Summer of 69' groß geworden sind, es aber trotzdem mitsingen konnten", überlegt Sänger Ralf Becker. Jokebox spricht Eltern wie deren Nachwuchs an. Ihr außergewöhnliches Stehvermögen macht es möglich.

Ralf Becker (54), Versicherungskaufmann aus Wermelskirchen, ist als Einziger aus der Anfangszeit übrig geblieben. Damals wie heute trieb ihn dieselbe Idee an: "Ich wollte das, was die Großen spielen, auf die Bühne bringen. Aber nicht stur vom Notenblatt spielen, sondern ein richtiges Rockkonzert daraus machen." Jokebox spielten Coverrock, als es den Begriff noch nicht gab.

Ihre Keimzelle liegt in der Musiker Initiative Remscheid (MIRS), die für die 25. Ausgabe von "Rock auf der Bühne" im Stadttheater eine Jubiläumsband suchte. Thomas Schmitz, Kai Landau, Michael Müller, Arno Hoffmann, Uwe Sköries und Ralf Becker bildeten das lokale All-Star-Ensemble.

Die Veranstaltung war ausverkauft und und "die Stimmung süchtigmachend", erinnert sich Becker. Also beschlossen die Beteiligten nachzulegen. Anfang 1992 gab Jokebox sein Debüt im Jugendzentrum Klausen.

Keyboarder Peter Schlett stieß im selben Jahr hinzu, 1994 folgte mit Anabel Lopez die erste weibliche Stimme, 1995 mit Conny Schulz eine zweite. Beide ermöglichten an der Seite von Ralf Becker den prägenden Satzgesang, der Jokebox zu weit mehr als einer Festzelt-Kapelle machte.

Seither hat es mehrere Wechsel in der Besetzung gegeben, die dem Grundgedanken aber keinen Abbruch taten. Jokebox wollten weder Oldie-Reproduzenten noch Top 40-Nachspieler sein. Querbeet und mit offenen Ohren schlagen sie sich durch die Musikhistorie.

Ohne Scheu, sich an Nummern zu wagen, die nie Spitzenpositionen in den Charts erreichten. Jokebox lieben das Spiel mit dem Gaspedal. Mal drücken sie auf die Tube, packen den Rockhammer aus, um den Zuhörer im nächsten Moment mit einer Ballade zu streicheln und das Tempo zu drosseln.

Jokebox sind - trotz wachsender Zahl an Mitbewerbern im Cover-Genre - ein Markenzeichen. Wie groß die Anziehungskraft ist, zeigte sich 2004, als Ersatz für Sängerin Ji-In Cho gesucht wurde. Zum Casting ins Remscheider "POM" kamen 150 Zuhörer und 20 Kandidatinnen. Jeanne Altfeld machte das Rennen.

Stets entwickelten sich Jokebox weiter. Dazu zählt, ihrem Publikum, gerade beim Jahresabschluss in Wermelskirchen (die es seit 1996 gibt), eine opulente Show zu bieten. Die Ideen dafür liefert Conny Windt, die seit 16 Jahren still, aber effektiv im Hintergrund der Band den Rücken frei hält.

Auch für den diesjährigen Höhepunkt, der erstmals nicht im Bürgerzentrum, sondern in der Bogenbinderhalle der Katt (Kapazität: 800 Zuschauer) stattfindet, wird die Optik bedient. "Ich möchte die Band ein wenig alt aussehen lassen", meint Conny Windt schmunzelnd.

Jokebox werden auf Opa-Look getrimmt sein, aber noch jede Menge Dampf im Kessel entfachen. Unter den 35 bis 40 Stücken, die bis Mitternacht zu hören sein werden, gibt es Neues von den Hooters ("Johnny B." und "Karla with a K"), Sunrise Avenue ("Hollywood hills"), Heart ("Barracuda") und Milow ("Little in the middle"). Als Gäste werden Ex-Sängerin Steffi Steglich erwartet und der junge Querflötist Ralf Herbert, der bei "Locomotive breath" den Ian Anderson gibt.

Karten für 20 Jahre Jokebox in der Bogenbinderhalle der Katt-Fabrik am Samstag, 26. November (20 Uhr), kosten 14 Euro im Vorverkauf (16 an der Abendkasse).