Remscheider General-Anzeiger, Artikel vom 02.04.2012

Steffi reißt von den Sitzen

Frank Becker

Was soll schon schief gehen, wenn eine beliebte Cover-Band mit zwei Klasse-Sängerinnen, hochkarätigen Gästen, einem veritablen Streicherensemble (aus dem Sinfonieorchester der Musikgemeinde) und einem dynamischen Frontmann in die Kattwinkelsche Fabrik zur Party einladen? Eben: nichts.

Am Freitag- und Samstagabend stellte die seit 21 Jahren erfolgreich tourende Gruppe Jokebox hier ihr neues Programm vor- und spendierte der Fan-Gemeinde einen Abend der Spitzenklasse.

Dem schwungvollen Einstieg mit Irish Folk und Ralf Herbert (Flöte) ließ Jeanne Altfeld mit Stimmgewalt und knisternder Erotik gleich einen ersten Top-Hit folgen: "Stop!" von Jamila.

Da mussten die Damen ihre Begleiter schon an der kurzen Leine halten, denn die blonde Jeanne könnte man auch als "Lady Godiva" der Pop-Branche bezeichnen - ein echter Hingucker in "Kleinen Schwarzen", mit herausragenden Stimmqualitäten, die sie später auch bei Titeln wie dem Soul "Mercy", "When Love Takes Over", dem Aretha-Franklin-Hit "A Natural Woman" mit wundervollem Streicher-Teppich oder "Every Little Thing You Do Is Magic" einsetzte.

Nicht minder mitreißend ihre rotblonde Kollegin Steffi Steglick, die mit Frontmann Ralf Becker und "Don´t Go Breaking My Heart" die Party eröffnete, wobei sie dem Duo Elton John/Kiki Dee nicht nachstanden.

Steffi riss später mit dem Adele-Song "Someone Like You", zu dem sie sich selbst auf dem Klavier begleitete, das völlig begeisterte Publikum buchstäblich von den Sitzen - stehende Ovationen für diese Solo-Nummer.

Doch sie übertraf das noch mit ihrer grandiosen Interpretation des legendären Kate-Bush-Titels "The Man With The Child In His Eyes", auch hier mit fantastischer Streicher-Begleitung. Das war wohl das schönste Stück des Abends und für eine wohlige Gänsehaut gut.

Apropos: Die Streicher des Sinfonieorchesters der Musikgemeinde Wermelskirchen (Arrangements: Alfred Karnowka) gaben bewährt den Pop- und Rock-Titeln weichen Unterbau und schönes Volumen. Hervorzuheben ist Angela Burghardt, die solo am Cello gemeinsam mit Gitarrist Dirk Mies und Sänger Ralf Becker dem "Cello" Udo Lindenbergs sensibel Gestalt gab.

Peter Nicas Running Gag, auf der Gitarre gelegentlich einen Akkord des "Harry Lime Theme" einfließen zu lassen, sorgte für Heiterkeit und wird wohl im nächsten Jahr Früchte tragen, versprach Ralf Becker.

Einer der vielen Knaller des Abends war auch Marius Müller-Westernhagens "Willenlos", von der männlichen Gemeinde der Fans aus allen Altersgruppen von ganz jung bis ziemlich alt beherzt angestimmt und von vielen auch begeistert abgetanzt.

Sie sehen schon, dieser Abend, der für gute drei Stunden tolle Musik und Stimmung bot und trotz Ferienbeginns ausverkauft war, wurde ein voller Erfolg. Man darf vermuten, dass es am Samstagabend nicht anders war.