Remscheider General-Anzeiger, Artikel vom 04.03.2013

Jokebox sorgt wieder restlos für Begeisterung

Martin Hagemeyer

"Ich habe ja gesagt, es wird unser längstes Unplugged-Konzert!" Als "Jokebox"-Frontmann Ralf Becker sein Versprechen vom Konzertbeginn aufgreift, überspielt er damit eigentlich einen der ganz wenigen "Hänger" des Abends. Aber so hat er auch gleich wieder die Lacher auf seiner Seite. Profi halt - aber Profis sind sie ja längst alle in der Coverband aus Wermelskirchen. Und auch diesmal sorgt das beim "unverstärkten" Auftritt in der Kattwinkelschen Fabrik denn auch für enorm viel Spaß.

Weit nach elf Uhr ist es, ganz wie angekündigt, als "Jokebox" das Publikum nach Hause entlässt. Massenhaft waren die Menschen wieder gekommen, Jung und Alt, und jetzt gehen sie erschöpft - aber glücklich.

Hit auf Hit haben die acht Stamm-Musiker (plus Solo-Acts) dem Publikum um die Ohren gehauen - mit ihrer Bühnen-Position mitten im Zuschauerraum. Und das, wie schon gewohnt aus den inzwischen 21 Jahren Band-Geschichte, mit Könnern an jedem Instrument, jedem Mikro - und, spürbar, mit Herzblut.

Ein Alltime-Classic wie "Smoke On The Water" kommt da mit Gitarrist Dirk Mies so kraftvoll und erdig daher, wie es sich gehört. Jenny Rizzo ist unplugged zum ersten Mal dabei und präsentiert mit Adeles aktueller Ballade "Someone Like You" voll und inbrünstig eine eigene Favoritin. Zusammen mit ihr bringt Jeanne Altfeld stimm- wie rhythmusstark Alicia Keys zu Gehör und natürlich auch vor Augen - als langmähnige Augenweide, die sie nach wie vor ist.

Wer so souverän Handwerk wie auch Show beherrscht wie "Jokebox", kann sich aber auch die ein oder andere Variation erlauben. Aus "Just The Way You Are", dem eher sphärischen Song von Chart-Stürmer Bruno Mars, macht Ralf Becker heute eine waschechte Swing-Nummer, die mehr als das Original zum Mitwippen einlädt.

Grummlige Titelsequenz
trotz geöffneter Lippen


Bei Ben Anhalt ist es an großen Teilen der Damenwelt, ihre Mienen dem Entzücken preiszugeben (nicht nur jenseits der Bühne): Der erst 16-jährige erweist sich nicht nur als virtuoser Saxofonist beim schweißtreibenden "Baker Street". Der Youngster bietet auch das paradoxe Erlebnis, die grummlige Titelsequenz der "Crash Test Dummies" trotz deutlich geöffneter Lippen so zu singen, dass es sich dennoch anhört wie ein "Mmm mmm mmm mmm"; das erstaunlich sonore Organ machts möglich.

Und, Stichwort Variation: Zum schon erwähnten "Smoke"-Klassiker von Deep Purple lassen sich beim Heimspiel der Coverband in ihrer Unplugged-Ausgabe fünf zarte Streicher vernehmen (genauer: vier Streicherinnen, ein Streicher) - sie prägen von Anfang an den ganzen Abend im Hintergrund mit.

Für den Fall schließlich, dass bei all diesen großen und kleinen Highlights manche Zuschauer noch nicht genug haben sollten, heizt Drummer Victor Gonzales zu seinem Klasse-Auftritt nach der Pause auch noch geschlechtsspezifisch zum Mitmachen ein:

Männlein grunzen, Weiblein juchzen, und alle haben ihren Spaß.

Nachdem so die ohnehin zentrale "Jokebox"-Bühne endgültig auf den ganzen Saal ausgeweitet worden ist, überlässt man den Rest des furiosen Abends aber doch gern wieder denen, dies können. Und das tun sie!