Remscheider-General-Anzeiger, Artikel vom 26.04.2010

Grandioses Mammut-Projekt

Von Thomas Wintgen

Hut ab. Für - netto - fast drei Stunden Musik. "Thank you for the music", hieß das letzte Lied - danke für diese Musik, d a s Projekt des Jahres 2010 fürs Sinfonieorchester der Musikgemeinde Wermelskirchen, das Blasorchester Dabringhausen, den Projektchor mit Sängern insbesondere der "Good News Singers" und von "Joycing", für "Jokebox" sowie das "Rocky-Horror"-Ensemble.

Pop & Classic Eine gewaltige Aufgabe war das Unterfangen aber auch und vor allem musikalisch. Chuck Berrys "Roll over Beethoven" begann mit dem Motiv der Schicksalssinfonie; "Jokebox" stieg kurz nach der Wiederholung ein. Aretha Franklins "Natural woman" gaben die gut aufgelegten und stets sauber aufspielenden Sinfoniker eine aufwertende harmonische Basis.

In der Filmmusik zu "Der Herr der Ringe" kam das Blasorchester hinzu - eine verblüffend gute Mischung; erstaunlich gut die Einsätze aus großer Distanz. Bei Felthaus kristallklaren Anweisungen war es kein Wunder, dass der Riesen-Apparat perfekt folgte. Mustergültig sein großes Ritardando in der "Bohemian Rhapsody".

Die Dabringhauser verdienten sich bei "Imagasy" von Thiemo Kraas ein Extra-Lob für erstklassiges Zusammenspiel aller Register und gute Soli wie z.B. das von Thorsten Steinhaus (Euphonium). Bei "Gigolo" zeigte sich, dass veritable Trompeten weit mehr hermachen als es das Keyboard kann; bei "Warwick Avenue" galt dasselbe für die Streicher - eine schöne Ergänzung auch für "Radio".

Die "Jokebox"-Sänger(innen) hatten manche Sternstunde - nicht zuletzt bei "Waltzing Matilda", wo prompt die ersten Feuerzeuge aus der Tasche kamen. Viele Menschen im Publikum sangen dann "Land of hope" in "Pomp and Circumstance" von Edward Elgar mit.

Das war der erste große Auftritt des sage und schreibe 80-köpfigen Chors, der in "O Fortuna" aus Orffs "Carmina burana" gleich nach der Pause wieder einen blendenden Eindruck hinterließ: die intensive Stimmbildung hat sich mehr als ausgezahlt: Riesen-Beifall!

Es ist ja nicht so, als stellte man sich da mal auf die Bühne und legte los. Eine Menge des berühmten Schweißes steckt dahinter, aber er hat sich wirklich gelohnt - ich glaube auch schon allein dafür, bei diesem Ereignis mit einer solch exzellenten Leistung dabei gewesen zu sein; und ganz nebenbei auch mal die Möglichkeit gehabt zu haben, Verdi zu singen.

In ihren zweiten Haupt-Part packte das tadellose "Jokebox"-Oktett u.a. Marc Cohns "Walking in Memphis", "Right here waiting" von Richard Marx oder "Let me entertain you" von Robbie Williams - beste Unterhaltung ist da allemal gelungen.

Das gilt natürlich auch für das Rocky-Horror-Team, welches ein Medley aus dem 1973 uraufgeführten und viele bis heute begeisternden Musical zusammengestellt hatte. Irgendwann hielt es niemanden mehr auf den Sitzen. Ovationen dann auch für "Music" bzw. "Thank you for the music".

Fast 1 800 Menschen haben dieses fantastische Mammut-Projekt gefeiert und werden sich noch lange daran erinnern. Der Arbeitskreis kommt alsbald zusammen und wird überlegen, wann man so etwas noch einmal stemmen kann - in fünf Jahren vielleicht?

Matthias Bongard war eingangs kurz auf die Geschichte der "Last Night oft the Proms" in der Royal Albert Hall (London) eingegangen. Um sehr schnell zu erkennen: Was ist die gegen die Mehrzweckhalle Dabringhausen!

Pop & Classic - Was dahinter steckt(e)

(sn). HUT AB für den irren Aufwand, den eine Menge Menschen zuvor betrieben hatten, um das alles möglich zu machen. Thorsten Steinhaus, der Vorsitzende des Blasorchesters, bekam irgendwann in Hilden so etwas Ähnliches mit wie dieses "Pop meets classic".

KEHRTE ZURÜCK und gewann Alfred Karnowka, Reinhold Felthaus, Sinfonie- und Blasorchester, die Chor-Leiterinnen Silke Vogel und Evelyn Hämmerl ("War richtig toll - ich bin sehr zufrieden!"), Managerin Conny Wind und "Jokebox", das 31-köpfige Darsteller-, Sänger- und Musiker-Team "Rocky Horror" nicht zu vergessen.

ORCHESTERMUSIKER Gebhard Lehr und der routinierte und beste Stimmung stiftende Moderator Matthias Bongard hoben des Weiteren hervor Sonja Dresen, Elke Lindhorst und Dieter Wieland und immer wieder Isabel Wieland (Vorsitzende des Sinfonieorchesters) und Thorsten Steinhaus. Gigantisch, Eure Leistung!

QUASI SEIT JANUAR traf sich jeden Mittwoch ein Arbeitskreis der Verantwortlichen, weil alle sehr schnell erkannt hatten, welche gewaltige Aufgabe sie sich da gestellt hatten. Auch rein logistisch - bis hin zur Frage, wie viel Platz eigentlich 222 Musiker brauchen, weshalb Thorsten Steinhaus bei der Probe im PZ alle(s) vermaß.

PARTITUREN für normale Besetzungen kann ich kaufen. Aber beispielsweise den Gefangenenchor aus Nabucco oder auch "Music" (John Miles) für weitere Besetzungen vom Notenblatt verfügbar zu haben, dafür bedarf es vieler Stunden mühsamer Kleinarbeit für die Arrangements. Dafür gebührte Alfred Karnowka sowie dem eigens aus Wien angereisten Joachim Kuipers ein Riesen-Sonderlob.