Remscheider-General-Anzeiger, Artikel vom: 20.11.2006

Jokebox: Ein Rockmarathon der Sonderklasse

Von Bastian Hamacher

Zum Jahresabschluss zurück nach Wermelskirchen. Alle Jahre wieder feiert "Jokebox" im Bürgerzentrum das Ende eines erfolgreichen Konzertjahres mit einer Riesenparty. Am Samstagabend zeigte die Band, die mittlerweile in ihrem 15. Jahr besteht, warum sie mit über 40 Auftritten pro Jahr quer durch die Republik bis zur Kieler Woche gebucht wird.

"Extra für unsere Auftritte hier besorgen wir uns aus dem WDR-Requisitenfundus Kostüme und die Bühnendeko", erzählt Bandmanagerin Conny Windt.

Das Motto in diesem Jahr war Western und Country, darauf abgestimmt die Bühnendekoration als Saloon. Dafür wird nicht nur tief in die Tasche gegriffen. "Der Fernsehsender lässt sich seine Requisiten gut bezahlen, obwohl er sonst schon einmal von sich aus auf uns zu kommt, um eine Sendung über Jokebox zu machen."

Im Verlauf des Konzerts wartete die Gruppe immer wieder mit neuen Kostümen, Perücken und Requisiten auf, um das Publikum passend zur Musik zu unterhalten. Als Gäste trat eingangs die Line-Dance-Gruppe "Maverick" aus Remscheid auf.

Zu hören gab es bei dem fast vierstündigen Marathonkonzert über vierzig Stücke. Und was hervorgehoben werden muss: Es war nicht eines dabei, bei dem irgendjemand im Saal nicht mitgerissen worden wäre. Jedes Stück ist der Bandphilosophie getreu ein Zeugnis der Musikgeschichte: Von den Beatles über Bob Dylan, Deutsch-Rock, Robbie Williams bis zu Pink.

Das Publikum war von der Qualität der Musik und der Darbietung völlig begeistert. Zum Beispiel, als zu Beginn der Strom für die Instrumente ausfiel und die Sänger Ralf Becker, Jeanne Altfeld und Andrea Wolter a cappella weitermachten.

Spätestens mit dem nie fehlenden "Verdamp lang her" von Bap hatte Frontmann und Kopf der Band, Ralf Becker, die Menge fest in der Hand. "Das ist eines der Lieder, die immer gespielt werden müssen", erzählt Conny Windt. "Wenn das fehlt, ist das Publikum richtig enttäuscht."

Die Band sucht das Repertoire gemeinsam aus. "Obwohl das die angenehme Mischung begründet, ist es manchmal auch ein Fluch. Nämlich dann, wenn sich die verschiedenen Altersgruppen in der Band bemerkbar machen", sagt Conny Windt.

Um das und mehr auszugleichen, ist sie vor zwölf Jahren als Managerin dazugestoßen. Damals reiste sie der Band noch hinterher. Das ist übrigens nichts Ungewöhnliches. Es gibt einen Fanclub im Sauerland, der sogar zur Kieler Woche reist, um die Band zu hören.

"Ich bin auf die Band zugegangen und habe mich angeboten", erinnert sich die Managerin. Das war auch dringend notwendig, nachdem die Tourplanung, die Musik und der Beruf den Bandmitgliedern über den Kopf wuchsen.

Das erste Konzert unter ihrem Regiment war das erste im Bürgerzentrum. Damals noch im Foyer mit etwas über zweihundert Gästen. "Das ist so gut gelaufen, dass wir uns schon im nächsten Jahr entschieden haben, den großen Saal zu mieten." An diesem Samstagabend waren es über 800, die den Weg ins Bürgerzentrum gefunden haben.

Der Unterschied zu den vierzig anderen Konzerten ist nicht die deutlich längere Liste an gespielten Songs, sondern der persönliche Einsatz, den die Band hier zeigt und von dem sich jeder angesprochen fühlt.